Radschnellwege im Ausland
Radschnellwege im Ausland (Bild: Alexander Filon )

Radschnellweg in Österreich – aktueller Stand und Ausblicke

Wo verlaufen die ersten Radschnellwege in Österreich? Was zeichnet sie aus und wo werden weitere gebaut? Hier erhältst du alle Antworten!

  • 5 Min.
  • 31/01/2018 - 00:00
  • Hanna von linexo
Auf einen Blick

Du hättest gern eine Autobahn fürs Fahrrad? Quer durch deine Stadt und am besten noch durch die ganze Region? So weit sind wir zwar noch nicht – aber es tut sich was! Planung und Bau von Radschnellwegen in Österreich stehen ganz oben auf der Agenda der Verkehrspolitik. Aber wie ist ein Radschnellweg überhaupt definiert? Was sind seine Besonderheiten? Und wo kannst du heute schon auf Radschnellwegen durch Österreich sausen? Hier findest du alle Informationen über ein wichtiges Zukunftsthema. Weil diese besonderen Trassen für Fahrräder dazu einladen, das Auto stehenzulassen, haben wir gleich noch weitere Infos für dich: Dieser Artikel verrät dir, wie der Umstieg vom Auto aufs Fahrrad problemlos klappt. Und dieser Beitrag wird deine Lust aufs Radfahren im Frühling wecken.

Was genau ist ein Radschnellweg?

Für Radschnellwege bzw. eine Radschnellverbindung gibt es keine allgemein verbindliche Definition nach Straßenverkehrsordnung (StVO). Dafür finden sich in den Richtlinien und Vorschriften für das Straßenwesen (RVS) der Forschungsgesellschaft Straße-Schiene-Verkehr (FSV) Regelungen für die Anlage von Radschnellwegen. Dort wird dieser neue Typ von Radwegen sogar als „Königsklasse“ bezeichnet. Radschnellverbindungen sind demnach Routen, „die über größere Entfernungen wichtige Quell- und Zielbereiche verbinden und durchgängig höchste Qualitätsmerkmale aufweisen müssen“. Sie verlaufen selbstständig und getrennt zum Verkehr von Autos und Fußgängern. Radschnellwege können eine Straße begleiten oder als Fahrradstraße fungieren. Im Unterschied zu Radwegen sind sie großzügiger gestaltet und erlauben hohe Durchschnittsgeschwindigkeiten. Als Radfahranlagen der höchsten Ordnung fallen sie auch in die gehobene Winterdienstkategorie B. Bleibt noch zu erwähnen, dass hier ausschließlich Radler erlaubt sind. Solche Schnellstraßen sprechen nicht nur Vielfahrer und Pendler an. In Zukunft werden sie eine immer wichtigere Alternative zum Autofahren sein.

Neue Radschnellwege in Österreich

Als Teil der Mobilitätswende und für das Erreichen von Klimazielen werden auch Radschnellwege gebraucht. Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) weist in einem Factsheet darauf hin, dass sechs von zehn Autofahrten werktags unter zehn Kilometern gemacht werden. Vier sogar unter fünf Kilometern. Hier bietet sich ein enormes Potenzial, mit der geeigneten Fahrrad-Infrastruktur zum Beispiel die Fahrt zum Arbeitsplatz mit dem Rad noch attraktiver zu machen. Zumal die Anlage eines Radschnellweges vergleichsweise kostengünstig ist: Für 10 Millionen Euro gibt es laut Machbarkeitsstudien aus Deutschland 11,1 Kilometer Radschnellweg – aber nur 2,5 Kilometer Straße für den Autoverkehr.

Seit 2020 können österreichische Kommunen und Gemeinden beim Ministerium für Innovation, Mobilität und Infrastruktur (BMIMI) eine Förderung für den Bau von Radschnellwege beantragen. Es liegt also in der öffentlichen Hand, mit dem nötigen Willen und geeigneten Konzepten Tatsachen zu schaffen. Doch noch immer steckt der Ausbau von Radschnellverbindungen hierzulande in den Kinderschuhen. Andere Länder sind bei der Entwicklung dieser noch jungen Fahrrad-Infrastruktur schon weiter: zum Beispiel Deutschland und vor allem die Niederlande mit über 70 Routen und Hundertern Kilometern Streckenlänge. Aber auch in Österreich hat mit der Eröffnung von Radschnellwegen ein neues Zeitalter im Radverkehr begonnen. Zuvor eine Inspiration für die Auswahl des richtigen Bikes beim Radlkauf.

Die ersten Radschnellverbindungen in Wien

2023 fiel in Wien der Startschuss für die Anlage von Radschnellwegen. Den Anfang machen die Radschnellverbindungen Nord und Süd. So wurde 2025 nach drei Jahren Bauzeit erstmals eine sieben Kilometer lange und vier Meter breite Fahrradautobahn dem Radverkehr übergeben. Die nördliche Rad-Tangente verbindet drei Wiener Bezirke von der Donaustadt bis in die Innenstadt. Auf dem Fahrrad-Highway wurden unter anderem die Anzahl der Ampeln halbiert, das Kreuzungsdesign an die neuen Erfordernisse angepasst und die Donauplatte begradigt. Bis 2030 sollen insgesamt 13 Routen mit 110 Kilometern an Radschnellwegen in der Donaumetropole fertiggestellt sein – ein Tempo von 11 Kilometern im Jahr, das aber mit den aktuellen Zahlen noch nicht erreicht wird. Fahrradfahren in der Stadt kann auch auf einem Schnellweg herausfordern sein. Hier geben wir dir Tipps für das sichere Radeln in der City.

Radschnellwege in Niederösterreich

Als Flächenland hat sich Niederösterreich beim Ausbau der Radinfrastruktur viel vorgenommen. Ebenfalls bis 2030 sollen 200 Kilometer an Radschnellwegen nutzbar sein. Die geplanten elf Radschnellweg-Achsen des Landes werden beispielsweise zwischen St. Pölten und Lilienfeld oder im Industrieviertel von Wiener Neustadt nach Baden, Mödling und Wien verlaufen.

Radschnellwege in Oberösterreich

Oberösterreich verfolgt zurzeit noch weniger ehrgeizige Pläne. Aber auch in Linz, Wels und Steyr werden neue Radverkehrskonzepte diskutiert. Ein erster Schritt ist der „Radhighway“ in Linz. Nach Realisierung des ersten Abschnitts zwischen Kaisergasse und Honauerstraße folgt nun ein zweiter Teil. Er führt von der Lederergasse bis zur Petzoldstraße mit weiteren 1,6 Kilometern. Die neue Radschnellverbindung stützt sich auf ein Verkehrskonzept mit neun schnellen Radrouten. Diese führen sternförmig aus dem Großraum Linz auf das Stadtzentrum zu und sind zusammen 40 Kilometer lang.

Weitere Bundesländer – aktuelle Initiativen

In anderen Teilen Österreich ist die Situation noch ähnlich durchwachsen. Für die Steiermark beispielsweise empfiehlt eine Radnetzstudie ein Verkehrsmodell mit einem Netz aus Radschnellwegen. In Kärnten sollen die ersten Strecken dieser Art bis 2030 stehen. Hingegen will Vorarlberg bis 2027 ein Radschnellwege-Netz mit 200 Kilometern in Betrieb nehmen. Bereits 2021 wurde das erste Teilstück zwischen Dornbirn und Hohenems fertig. Wir sind überzeugt: In den kommenden Jahren werden weitere schnelle Straßen für den Radverkehr die Konzeptphase verlassen und in Österreich zur Realität!

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Anforderungen an einen Radschnellweg

Radschnellwege haben typische Merkmale, die sie von klassischen Radwegen unterscheidet. Um ein zügiges Vorankommen und geringe Stehzeiten auf langen Strecken zu gewährleisten, müssen sie diese Anforderungen erfüllen:

  • direkte Trassenführung
  • breite Fahrspuren (in eine Richtung mehr als zwei Meter)
  • bauliche Trennung vom Verkehr und von Fußgängern
  • wenn möglich sichere niveaufreie Kreuzungen (Trennung der Verkehrswege z.B. durch Tunnel oder Brücken)
  • durchgängig asphaltiert oder betoniert
  • maximal 6 Prozent Steigungen
  • mögliche Geschwindigkeit: 30 km/h

Keine ständigen Zwischenstopps an Kreuzungen, dafür freie Bahn in voller Breite – so macht das Radfahren über lange Distanzen Spaß. Du bist beim Pendeln schneller im Büro oder im Urlaub in der Ferienwohnung – sogar bei winterlichen Touren. Auf dem E-Bike kannst du die Vorteile von Radschnellwegen erst recht auskosten. Dazu haben wir für dich Tipps zur Fahrsicherheit auf dem Pedelec und für das Aufladen unterwegs parat.

Chancen und Herausforderungen von Radschnellwegen

Der VCÖ benennt klar die Vorteile eines Radschnellwegs:

  • Der Trend zum Radfahren wird gefördert. Lieber gesund strampeln als jeden Meter mit dem Auto fahren.
  • Die Investitionen rechnen sich. Außerdem ist der praktische Nutzen des Konzepts in der Verkehrsplanung bekannt und belegt.
  • Die Zahl der E-Bikes nimmt zu. Dafür wird eine moderne Verkehrsinfrastruktur mit schnellen Straßen für Fahrräder gebraucht.
  • In Ballungsräumen können viele Wege mit dem Rad zurückgelegt werden. Das entlastet den übrigen Verkehr.
  • Der Bau von Radinfrastruktur macht sich bezahlt: Die Investition von 100 Millionen Euro schafft 50 Prozent mehr Arbeitsplätze als etwa der Autobahnbau.

Doch obwohl Radfahren in Österreich immer beliebter wird – bürokratische Hürden, lokale Gegebenheiten und der Faktor Bauzeit machen auch die Anlage von Radschnellwegen zu einem Prozess, der Geduld erfordert.

Radschnellwege in Deutschland

Und wie schaut’s bei unseren deutschen Nachbarn aus? Auch dort sind viele Radschnellwege noch in der Projektierungsphase. Bayern etwa verfolgt seit 2023 einen „Ausbauplan Radschnellverbindungen“. Er umfasst allein für die Region München sechs Strecken mit 108 Kilometern Länge. Ähnlich sieht es in Berlin sowie weiteren Metropolen und Bundesländern aus. Eine mit OpenStreeMap im Januar 2026 ermittelte Übersicht ergab insgesamt 86 Kilometer an Radschnellweg-Teilstücken, die bereits in Betrieb sind. Sie befinden sich hauptsächlich im Ruhrgebiet und in den Großräumen Frankfurt am Main, Stuttgart und Augsburg. In Planung sind weitere rund 2.100 Kilometer an Radschnellverbindungen. Die Schnellstraßen fürs Rad heißen in Deutschland je nach Region gelegentlich mal „Raddirektroute“, „Radvorrangroute“ oder wie in Bremen „Premiumroute".

Sind Radschnellwege ein Zukunftsmodell für Österreich?

Noch ist es zu früh für ein zuverlässiges Urteil über Radschnellwege in der Praxis. Die Einweihung des ersten Teilstücks in Wien hatte laut Medienberichten jedenfalls für Begeisterung gesorgt. Nun muss der Schwung erhalten und eine rasche Umsetzung aller Planungen angestrebt werden. Dann dürften auch in Österreich Radschnellwege nach niederländischem Vorbild für Pendler und Radreisende gern akzeptierte Alternativen sein. Noch ein Tipp zur Fahrsicherheit: So kommst du auch im Dunkeln gut ans Ziel.

FAQ

Häufige Fragen zum Thema Radschnellweg:

Was ist ein Radschnellweg?

Ein Radschnellweg ist wie eine Autobahn für Fahrräder: mindestens zwei Meter breit in eine Richtung, durchgehend asphaltiert, vom Autoverkehr abgetrennt und eine schnelle Direktverbindung in Ballungszentren.

Gibt es Radschnellwege in Österreich?

Ja, wenn bislang auch nur wenige Kilometer – zum Beispiel in Wien oder in Vorarlberg.

Was ist der Unterschied zwischen Radschnellweg und Radweg?

Ein Radschnellweg ist breiter, hat einen hochwertigen Belag und ist strikt von der Fahrbahn getrennt. Außerdem werden Kreuzungen und Gefälle vermieden.

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